Spotbericht Spanien - Lanzarote
Alle Fotos von Lanzarote findet ihr in der Fotofraktion!

 

Lanzarote Reisetagebuch

 

Riderprofil: Max

Größe: 195cm/90kg

Kitet seit: 2004

Material: 2007er Yarga in 9+13

Board: Two.Ag 9Eleven 129*42

Style: Freestyle

 

 

 

Lanzarote Schnelltest

+ Wind

+ Wellen

+ Abgeschiedenheit

+ Preis

0 Freestyle Eignung

- nur für erfahrende Kiter

- Abgeschiedenheit (in Famara)

- eigensinnige Locals (rücksichtsloses fahren)

- keine Kiteinfrastruktur (Stationen oder Rescue Möglichkeiten)

 

 

Anfang März ging es für mich endlich los! Obwohl ich den Winter dank Kai fast komplett durchgekitet bin, freute ich mich doch, endlich wieder ohne Handschuhe und Haube fahren zu können. Katja, eine Freundin die ich letztes Jahr auf Rhodos kennen gelernt habe, hatte mich nach Lanzarote eingeladen. Sie hatte den Winter bereits auf Lanzarote gearbeitet und wollte nun selber vor der Sommersaison noch ein wenig kiten und relaxen.

 

Dienstag 04.03.

 

Nach 2 mäßigen Stunden Schlaf ging es für mich früh morgens ab zum Flughafen. Mein Gepäck hatte ich bereits am Vortag eingecheckt und so konnte ich das morgendliche Am-Schalter-Anstehen getrost übergehen. Via Tuifly* ging es dann um 4Uhr morgens Richtung Lanzarote. Im halbleeren Flugzeug senkte ich das Durchschnittsalter doch erheblich. Während die Ü-60 Fraktion kollektiv das Frühstück aufgrund diverser Diabetes-Diäten verweigerte, holte ich meine Portion Schlaf nach.

Am Flughafen von Arrecife wurde ich dann bereits von Katja erwartet, die eine Woche vor mir angereist war. Via Mietwagen** ging es dann in unser Apartment in Famara.

 

Famara Famara

Schnell waren meine Sachen im Schrank verstaut, denn der erste Kitetag wartete bereits auf uns. Je nach Windrichtung kann man auf Lanzarote die beiden Hauptspots „Famara“ und „Playa Honda“ ansteuern. Wir entschieden uns aufgrund der Windrichtung für letzteres. Playa Honda liegt direkt vor dem Flughafen. 

Die offizielle Kitezone befindet sich hinter der gelben Bojenlinie am Strand. Je nachdem wie viele Touristen am Strand sind, sollte man sich daran auch halten. Im Sommer wird dies durch die Polizei kontrolliert!

Je nachdem aus welcher Windrichtung der Wind kommt, hat man immer an einem der beiden Spots Sideshore bis Onshore Bedingungen. 

Playa Honda (Hintergrund Flughafen) Playa Honda (Hintergrund Flughafen)



Kat und ich bauten also schnell 13er Yarga und 9er Rebel auf. Leider ging der Wind immer wieder rauf und runter, so dass der Spaßfaktor sich in Grenzen hielt. Das ich meinen Shorty im Apartment vergessen hatte, tat sein Übriges. Am Nachmittag wurde der Wind dann allerdings besser und ich konnte meinen ersten Tag mit einer schönen Session beenden.

*Kitegepäck kostet 30€ extra (Golfgepäck ist frei)
** Mietwagen kostet bei Felycar oder Payless 130€/Woche für einen Kleinwagen (5Türer)

Mittwoch & Donnerstag 05.-06.03.

Die nächsten Tage waren wir wieder in Playa Honda. Während der Wind vormittags nicht sonderlich konstant blies, hatten wir am Nachmittag doch immer eine gute Session. Das komische Gefühl direkt vor einem Flughafen zu kiten, blieb aber auch an den nächsten Tagen unverändert.
Donnerstag nachmittags ging es dann mit Katjas Freund, dem Local Marco, wieder Richtung Famara um uns die Bucht einmal von oben anzuschauen. Marco, selbst von Lanzarote und halb Spanier, halb Deutscher kennt die Insel natürlich wie seine Westentasche und so waren wir das ein oder andere mal sehr froh ihn dabei zu haben.

Bucht von Famara Bucht von Famara

Freitag - Dienstag 07.03.-11.03.

Der Wind drehte am Freitag und so ging es das erste mal nach Famara. Die Kitezone befindet sich am Ende der Bucht. Um dorthin zu gelangen, muss man auf einer Schotterpiste um die Siedlung fahren und gelangt dann an den Kitestrand (da es nur eine Straße gibt, kann man diese auch nicht verfehlen). Vor einer atemberaubenden Kulisse baute ich meinen 9er auf und schaute mir doch recht skeptisch die Wellen an. Für Flachwasserkiter wie mich waren die Wellen von Famara eine neue Dimension. 3 Meter-Wellen sind hier keine Seltenheit. Nicht umsonst ist diese Bucht sehr beliebt bei Wellenreitern. Das Überqueren dieser Brecher ist für geübte Fahrer dennoch machbar. Die Wellen brechen in den wenigsten Fällen mit Tube und bieten genügend Abstand zwischen einander. Mit einem Bunny Hop überfährt man das Weißwasser der meisten Wellen relativ unproblematisch. Ein wenig Mut & Können gehört dennoch dazu um auf so eine Wasser-Lawine loszufahren und sie zu überqueren.

Die erste Session in Famara musste ich leider wegen schlechten Wind (11-26knt) abbrechen. Die nächsten Tage lieferten aber genug Möglichkeit Famara kennenzulernen. Mit der Zeit fand ich immer mehr gefallen am Wellenabreiten mit Kite und ich versuchte mich selber in der einen oder anderen Welle. Abends wurden die Sessions ordnungsgemäß mit einem Downwinder beendet.

Obwohl der Wind weiterhin mit 20-25knt ballerte, kamen nach 5Tagen die ersten Ermüdungserscheinungen deutlich zum Vorschein. Katjas Beine schillerten aufgrund der Kante ihres Board in allen Regenbogenfarben und meine Ellenbogen machten den Dauereinsatz langsam nicht mehr mit. Nichts desto trotz hatten wir in diesen Tagen wirklich gute Sessions in Famara.

Kiten in Famara Kiten in Famara

Mittwoch – Samstag 12.03.-15.03.

In den letzten Tagen hatten wir uns entschlossen zu 3 (Katja, Marco, ich) nach Fuerteventura rüber zu fahren. Via Bus und Fähre wollten wir dort für 3 Tage campen. Unsere Planung war es am Mittwoch mittag die Fähre* nach Fuerte zu nehmen. Leider steckte Marcos VW-Bus noch in der Werkstatt fest und hinderte uns am zeitigen losfahren. Wir entschlossen uns also kurzer Hand die Wartezeit mit Trüffelsuche zu überbrücken. Während Team Deutschland (bestehend aus Katja und mir) trotz 2 nicht ausgebildeter Trüffelhunden etwa eine Million Steine ausgegraben hatte. 7 Eidechsen gesehen und verscheucht hatte und mit genau 0 Trüffeln trumpfen konnte, kam Team Spanien (Marco) nach 2 Stunden mit Trüffeln im Wert von 20-30€ zurück. (Team Deutschland saß zu dieser Zeit bereits frustriert auf einer alten Steinmauer und warf frustriert Steine gegen Pflanzen). Nachdem die Werkstatt uns am Nachmittag auf den nächsten Tag vertröstet hatte, gab es am Abend zumindest Nudeln mit Trüffeln… kulinarisch hinkte der Geschmack ganz leicht hinter unseren Erwartungen hinterher.

Am nächsten Tag warteten wir dann getrost 3 Stunden bei der Werkstatt bis wir endlich losdüsen durften. Keine 300m gefahren, kam jedoch der nächste Schock. Der Bus qualmte plötzlich wie nichts Gutes und wollte auf Verdeih und Verderben nicht mehr richtig fahren. Während es zurück zur Werkstatt ging sah ich unseren Fuerteausflug schon als gestorben an. Die Werkstatt überraschte uns allerdings mit einer Sekundenreparatur (lediglich der Schlauch des Turboladers war eingequetscht worden). Wir atmeten alle kräftig auf und hofften noch die letzte Fähre nach Fuerte zu bekommen. Während Kat unseren Mietwagen wegbrachte, fuhren Marco und ich ins nächste Vergnügen. Polizeikontrolle … Fuerte stand unter keinen guten Stern. Trotz all dieser Strapazen bekamen wir noch die letzte Fähre von Playa Blanca nach Corralejo. Unser Nachtlager schlugen wir in El Cortillo auf.

Nachtlager in El Cortillo Nachtlager in El Cortillo

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Sotavento in den Süden von Fuerte. Begrüßt von 20-30knt Offshore Wind, fragten wir als aller erstes nach den Kosten für einen möglichen Rescue-Einsatz. Die 30 Euro waren es Marco und mir wert und wir bauten 11er Waroo und 13 Yarga auf. Da die Prognose so schlecht gewesen war, hatten wir unsere Sturmkites auf Lanzarote gelassen. Mit leicht flauem Gefühl im Magen starteten wir unsere Kites und gingen auf die Spiegelglatte Speedpiste vor dem Rene Egli Center. Glücklicherweise war der Wind auf dem Wasser nicht so stark wie es sich an Land angefühlt hatte. Die nächsten Stunden in Sotavento gehören bis dato zu meinen besten Kiteerlebnissen. Marco und ich katapultierten uns jeweils in den 7. Stock und bretterten mit Vollspeed am Strand entlang. Ein Warnsinnserlebnis!

Nachmittags ging es dann zurück in den Norden zum Flagbeach um auch noch Katja die Möglichkeit für eine gute Session zu bieten. Abends bauten wir wieder unser Nachtlager in El Cortillo auf um am nächsten Tag möglichst früh Flagbeach erneut unsicher machen zu können. Der nächste Tag brachte leider recht böigen Wind mit sich und so waren wir abends glücklich, aber geschafft, wieder zurück nach Lanzarote fahren zu können.

* Die Fähre kostet für Fußgänger 25€ (hin und zurück) und fährt mehrmals täglich. Zu 3 mit einem Auto haben wir 140€ bezahlt. Die Überfahrt ist auch mit den meisten Mietwagen möglich. Die Überfahrt muss aber bei der Vermietung angemeldet werden!

Sonntag - Freitag 16.03.-21.03.

Zurück in Lanzarote blieb das erste Mal der Wind aus. Erst am Dienstag blies es wieder wie gewohnt und wir konnten in Famara aufs Wasser. Einige Wellen erreichten an diesem Tag richtig schöne Höhen und so war es nicht verwunderlich, dass es den ersten Schirm bereits mittags zerlegte. Auch ich habe mir diesen Tag im Kalender als Famara Taufe markiert. In den letzten Wochen hatte ich mich oft von den Wellen einholen lassen um dann mit Vollspeed die fast senkrechte Welle runterfahren zu können um Schwung für ein paar Cutbacks und Bottom Turns zu bekommen. Auch diesmal lief alles wie gewöhnlich. Ich hatte mir eine schöne Welle 3-3,5m ausgesucht. Es kam was kommen musste: Die Welle brach sehr steil mit Tube. Die vordere Spitze meines Boards taucht ein und ich merke nur noch wie ich nach vorne überfalle. Die Bar aus der Hand verloren und mit einem Fuß in der Schlaufe steckend, erfahr ich am eigenen Leib was ein „Waschgang“ wirklich bedeutet. Nach mehreren Rotationen hatte mich die Welle ein gutes Stück unter Wasser gezogen. Instinktiv paddel ich nach oben. Obwohl ich mich als guten Schwimmer einschätze, dauerte dieser Vorgang ewig lange. Ich glaube selber nicht, dass ich länger als 10-20sec unter Wasser war, aber die Luft wurde trotzdem mächtig eng. Immer noch unter Wasser zieht mich der Schirm plötzlich nach oben an die Oberfläche. Bevor die nächste Welle wieder über mich donnert, sehe ich meinen Schirm noch kurz eingeklappt im Wasser liegen. Der nächste Brecher rollt über mich und ich klinke mich unter Wasser aus dem Chickenloop aus um dem Schirm ein wenig mehr Spiel in den Wellen zu geben. Als ich wieder an die Wasseroberfläche komme, steht der Schirm glücklicherweise startbereit am Windfensterrand. Ich glaube ich habe mich selten so sehr darüber gefreut. Ich nutze die Chance und entfliehe der Gefahrenzone. Mein Board finde ich wenig später an Land wieder. Famara Taufe – Ein Erlebnis was ich so schnell nicht vergessen werde. Ergebnis des Waschganges: Gebrochenes Footpad + 4 von 6 Cam Battens gebrochen.

Die letzten 3 Tage vergehen wie im Flug. Der Wind schwächelt wieder und so entspannen wir in der Sonne oder vertreiben uns die Zeit mit Ausflügen. Da das Osterwochenende vor der Tür steht, wird es auf der ganzen Insel voller. Nicht nur die sonst wie leergefegten Strände sind mit Touristen und Einheimischen besetzt. Auch auf dem Wasser wird es voller und die Zahl von rücksichtslosen Kitern steigt stark an.

Am Samstag geht es für mich zurück nach Deutschland. Die Realität kommt in Form von Schneeregen schneller als gedacht zurück und die Sommersaison muss wohl noch ein paar Wochen hinaus gezögert werden. Für mich war es ein fantastischer Urlaub. Dank Katja und Marco habe ich viele Seiten von Lanzarote gesehen und hatte neben einem tollen Fotografen auch immer ein klasse Abendprogramm. Für viele Kiter ist Lanzarote sicherlich nicht das optimale Kiterevier. Dennoch für gute Fahrer und Wellenfreaks ist diese Insel ein Besuch wert.

Was sollte bei einem Lanzarote Urlaub im Boardbag sein?

Kites zwischen 8 und 16m²
Wellenreiter
Skimboard
Mountainboard
Skateboard
Schnorchelausrüstung

Flautenprogramm und Ausflugmöglichkeiten

El Golfo (durch Algen grün gefärbter See)
Vulkanlandschaften
Touristen Markt in Teguise
Ausflüge zu Nachbarinseln
Kakteengarten
Salinen von Janubio (Salzgewinnung)
Los Hervideros (Fels- & Höhlenlandschaft)
Jameos del Agua (Unterirdischer See)
Timanfaya-Nationalpark.


Alle Bilder der Reise findet Ihr in der Fotofraktion!